Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Landesgruppe Niedersachsen e.V.
Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Landesgruppe Niedersachsen e.V. 

Aktivitäten der Landesgruppe Niedersachsen – Höhepunkte und Traditionen 

Tradition „Empfang im Advent“ – Zeit für die Unterstützung und das Ehrenamt zu danken 

 

 

Zum Ausklang des Jahres lud die Landesgruppe Niedersachsen Vertreter aus Politik, Öffentlichkeit und Verbänden zum inzwischen traditionellen „Empfang im Advent“ am 6. Dezember 2014 im Tagungshaus St. Clemens in Hannover ein. Diesmal in Erinnerung an den 250. Jahrestag der Gründung der ersten deutschen Kolonien an der Wolga und somit den Beginn der 250-jährigen Geschichte der deutschen Kolonisten im Russischen Reich und der späteren Sowjetunion, eine Geschichte mit vielen Höhen und Tiefen. Den informativen Rahmen bildete die Ausstellung „250 Jahre Einladungsmanifest von Katharina II. – 250 Jahre russlanddeutscher Kulturgeschichte“. Es ist auch jedes Mal eine Gelegenheit, der Landesregierung für ihre wohlwollende Unterstützung, den Partnern vom Netzwerk und aktiven ehrenamtlichen Landsleuten für ihr vielfältiges ehrenamtliches Engagement zu danken.                                                                                                      
Im Laufe von Jahrhunderten sind die vier Adventswochen vor Weihnachten zur Zeit des Friedens, des Erinnerns, des Erwartens und der Vorfreude geworden, aber auch zur Zeit der Barmherzigkeit und der Hoffnung. Mit der bekannten Geschichte von vier Kerzen - Friede, Glaube, Liebe und Hoffnung - und den Worten „…Die Flamme der Hoffnung möge in unserem Leben nie ausgehen... Und jeder von uns sollte die Flammen Friede, Glaube, Liebe und Hoffnung immer am Leuchten erhalten. Ich wünsche euch allen eine friedliche, besinnliche Adventszeit!“ stimmte die Landesvorsitzende Lilli Bischoff die Gäste auf die Veranstaltung ein.                                  
Als Tausende Kolonisten aus dem deutschsprachigen Raum um die Mitte des 18. Jahrhunderts dem Ruf der Kaiserin Katharina II. nach Russland folgten, konnten sie an irdischen Gütern nur wenig mitnehmen. Aber sie nahmen Werte wie Glauben, Sitten, Bräuche und Sprache der Heimat in das ferne Wolgagebiet mit. Zu den beliebtesten Festen in den deutschen Siedlungsgebieten im Russischen Reich gehörte auch Weihnachten, das fast gleich wie in der alten Heimat gefeiert wurde.                                                                                                                 

In der Sowjetzeit wurde Weihnachten auch in den ehemaligen deutschen Siedlungsgebieten durch das sowjetische Neujahrsfest ersetzt. Trotz des Verbots, Weihnachten öffentlich zu begehen, wurde in vielen deutschen Familien das Fest heimlich gefeiert. So konnten Bruchstücke des Brauchtums, das die Vorfahren aus deutschen Landen mitgebracht hatten, auch für die nachfolgenden Generationen erhalten bleiben, erst ab Ende der 1980er Jahre konnte man wieder Weihnachten mit Krippenspiel und Weihnachtsliedern ohne Angst feiern. Für eine festliche und freundschaftliche Stimmung sorgte der Chor „Heimatmelodie“ der Ortsgruppe Hannover (Vorsitzende Marianna Neumann) unter der Leitung von Olga Welz, der mit deutschen und russischen Liedern die musikalische Umrahmung gestaltete. Viel Applaus bekam der Kinderchor aus Hannover für ihr Gesangsständchen, ebenso wie eine gemischte Gruppe aus dem ukrainischen Kowel, die im Rahmen der Städtepartnerschaft Kowel-Barsinghausen einen Kulturaustausch machte und vom Verein „Kinderhilfe Ukraine“ betreut wurde (1995 von Lilli Bischoff gegründet, setzt sich der Verein für kostenlose Erholungsmaßnahmen für die durch das Atomreaktorenunglück von Tschernobyl betroffenen Kinder aus Kowel ein). In ukrainischen Trachten präsentierten die Künstler Weihnachtslieder aus ihrer Heimat. Angesichts der aktuellen Situation in der Ukraine brachte die Landesgruppe ein nachahmenswertes Beispiel der Völkerverständigung zum Ausdruck.   

 

 

Projekttage der Landesgruppe Niedersachsen mit der Partnerregion Perm 

 

Im Mittelpunkt der Projekttage der Landesgruppe Niedersachsen (20.-25.06.2013) stand die 20-jährige Zusammenarbeit unter dem Motto „20 Jahre Partnerschaft zwischen Niedersachsen und der Region Perm“. Gefördert wurden die Projekttage von der Landesregierung Niedersachsen. Für die Organisation und die Betreuung der Gäste aus Russland sorgte der Landesvorstand mit der Landesvorsitzenden Lilli Bischoff und zahlreiche ehrenamtliche Helfer.

Die Zusammenarbeit des Landes Niedersachsen mit der Region Perm in vielen Lebensbereichen gründet auf der gemeinsamen Erklärung vom 18. Januar 1993. Ebenso wie in der Region Tjumen, leben auch im Gebiet Perm Zehntausende Russlanddeutsche, die Nachkommen der deutschen Kolonisten sind, die vor 250 Jahren dem Ruf der Zarin Katharina II. nach Russland folgten. Und so bildete die Brückenfunktion der Russlanddeutschen in der Landespartnerschaft einen weiteren Schwerpunkt der Projekttage. Auch diesmal begrüßte Niedersachsen eine etwa 35-köpfige Delegation aus den Regionen Perm und Tjumen mit den Leitern Arnold Rainik, künstlerischer Leiter des Tanztheaters „Lallen“ aus Perm, und Natalja Matschuga, Vorsitzende des „Gebietszentrums für Bildung, Methodik und deutsche Kultur Tjumen“.                                                                                                    
Auch diesmal gehörten zum Programm der Projekttage Stationen wie der Niedersächsischen Landtag, die  Autostadt in Wolfsburg oder das Sportfest auf dem Gelände des Grenzdurchgangslagers Friedland mit Teilenehmern aus Russland, der Ukraine und Niedersachsen sowie den Bewohnern von Friedland. Eines der Höhepunkte war der Empfang durch die Landesgruppe Niedersachsen im Katholischen Zentrum Hannover in Anwesenheit zahlreicher Vertreter aus Politik, Verbänden und der breiten Öffentlichkeit. Regierungsvertreter mit dem Vizepräsidenten des Niedersächsischen Landtages, Klaus-Peter Bachmann MdL, sowie andere prominente Redner betonten in ihren Ansprachen die Bedeutung der Partnerschaft des Landes Niedersachsen mit der Region Perm und die Brückenfunktion der Russlanddeutschen.  

Im Rahmen des Empfangs wurde ein Kooperationsabkommen zwischen der Landsmannschaft Niedersachsen und der Organisation „Gemeinnützige Gesellschaft der Russlanddeutschen Wiedergeburt“ der Stadt Perm unterzeichnet. Die Vorsitzende der Permer „Wiedergeburt“ vertrat Arnold Rainik. „…Ziel ist es, die Partnerschaft zu einem wichtigen inhaltlichen Element der Förderung der Identitätsfindung der Russlanddeutschen, der Integration der Spätaussiedler in Deutschland und der Förderung der deutschen Minderheit in den Herkunftsgebieten werden zu lassen. Die beteiligten Organisationen betrachten die Russlanddeutschen als Bindeglied zwischen Deutschland und Russland. Deshalb ist die Partnerschaft auch ein Mittel zur Festigung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern“, ist im Kooperationsabkommen nachzulesen.

Die Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, Doris Schröder-Köpf, lud die Teilnehmer der Projekttage zum Empfang in das Gästehaus der Niedersächsischen Regierung in Hannover (mit Vertretern zahlreicher Migrantenverbände anlässlich ihrer Amtseinführung am 22. Juni 2013) ein. Die Tanzgruppe aus Perm in ihren auffälligen Bühnenkostümen kam sogar bei der musikalischen Umrahmung des Empfangs zum Zug und zeigte unter dem begeisterten Beifall der Gäste anspruchsvolle Choreografien.

Eindeutiger Höhepunkt der Projekttage war auch diesmal das internationale Kulturfestival in der Aula der Marie-Curie-Schule in Ronnenberg bei Hannover mit Kulturgruppen und Solisten aus ganz Niedersachsen und der Region Perm den Höhepunkt. Gäste aus ganz Niedersachsen, darunter zahlreiche Vertreter aus Politik, Verbänden und der breiten Öffentlichkeit, verfolgten das vierstündige Festivalprogramm – ein stimmungsvolles Fest aus Gesang und Tanz. Mit Gesangsbeiträgen traten die Chöre „Heimatmelodie“ aus Hannover, „Kalinka" aus Neustadt, die Folkloregruppe „Goldene Brücke“ aus Rotenburg, der Kinderchor aus Hannover sowie die Kindergesangsgruppe "Kaleidoskop" aus Braunschweig. Auch zahlreiche Solisten aus Rotenburg, Lüneburg, Göttingen, Braunschweig und Osnabrück traten mit Gesang- und Musikdarbietungen auf. Tanzgruppen aus Osnabrück, Peine und Hannover heizten die Stimmung mit temperamentvollen Melodien und Tänzen auf.                       

Begeisterten Beifall erntete das Tanztheater „Lallen“ aus Perm, Tanzgruppen kamen mehrfach auf die Bühne und präsentierten sich mit anspruchsvollen Choreographien und einfallsreich gefertigten Kostümen. Das Tanztheater mit Arnold Rainik besteht mehr als 20 Jahre und hat in Russland und im Ausland bei zahlreichen Kulturveranstaltungen und Festivals Tausende Zuschauer mit ihrer Kunst beeindruckt. 

 

 

Projekttage der Landesgruppe Niedersachsen mit Partnerregionen Tjumen   

 

Die Projekttage (30.05.-03.06.2012) der Landesgruppe Niedersachsen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. mit der Partnerregion des Landes Niedersachsen in Russland Tjumen waren von zwei Schwerpunkten getragen: „20 Jahre Partnerschaft zwischen dem Land Niedersachsen und der Region Tjumen“ und „5 Jahre Partnerschaft zwischen der Landesgruppe Niedersachsen und dem Gebietszentrum der deutschen Kultur Tjumen“. Der Niedersächsische Minister für Inneres und Sport und Integration, Uwe Schünemann, übernahm die Schirmherrschaft über die Projektwoche, die von der Landesregierung Niedersachsen gefördert wurde. Für die Organisation und die Betreuung der Gäste aus Russland sorgte der Landesvorstand mit der Landesvorsitzenden Lilli Bischoff, das landesweite Projekt „Stark und offen in Niedersachsen“ (Projektleiterinnen Swetlana Judin und Anna Welz) und die Ortsgruppe Hannover.

Die Partnerschaft mit Tjumen seit 1992 gehört zu den ältesten des Landes Niedersachsen. Auch wenn sich die Schwerpunktthemen gewandelt haben, ist die Zusammenarbeit immer jung und aktiv geblieben. Seit 2007 pflegt die Landesgruppe Niedersachsen eine Partnerschaft mit dem deutschen Kulturzentrum Tjumen, die im Laufe der Jahre durch regelmäßigen Kulturaustausch und Beteiligungen an unterschiedlichen Veranstaltungen in Deutschland und Tjumen mit Leben gefüllt wurde. Auch im Rahmen der Projekttage begrüßte Niedersachsen eine etwa 30-köpfige Delegation aus der Region Tjumen (viele davon Kinder und Jugendliche). „In der Landespartnerschaft sehen sich die Russlanddeutschen auf beiden Seiten als Brücke zwischen Niedersachsen und Tjumen“, betonte die Landesvorsitzende Bischoff. Durch die Projekttage sollte diese Brückenfunktion der Landsmannschaft in der Landespartnerschaft gestärkt werden.

 

 

Die Projekttage beinhalteten eine Mischung aus politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Grundsatzfragen, die sich in Einzelmaßnahmen der Projekttage niederschlugen. Bei allen Veranstaltungen und Ausflügen waren stets auch Vertreter der Ortsgruppe Hannover und Umgebung mit dabei. Zum Programm gehörten Stationen wie der Niedersächsische Landtag, das Schlossmuseum Jever im Friesland, das Nationalpark-Haus Dangast sowie die Autostadt in Wolfsburg mit vielfältigen Einblicken in die Geschichte und Gegenwart der Automobilindustrie. Der Empfang im Katholischen Zentrum Hannover durch die Landesgruppe mit zahlreichen Gästen aus Politik und Öffentlichkeit machte die Schwerpunkte der Projektwoche noch einmal deutlich. „Brückenbauer sind Friedensstifter“, lobte Editha Lorberg (MdL), Aussiedlerbeauftragte der CDU-Landtagsfraktion, die grenzüberschreitenden Aktivitäten der Landesgruppe.

Ihren Höhepunkt erreichte die Projetwoche mit dem Tag in Friedland und dem anschließenden Kulturfestival mit Teilnehmern aus ganz Niedersachsen und dem Gebiet Tjumen in Anwesenheit zahlreicher Vertreter aus Politik, Verbänden und der breiten Öffentlichkeit. „In der in Tjumen am 21. Mai 1992 zwischen dem Land Niedersachsen und der Region Tjumen unterzeichneten Erklärung wurde unter anderem vereinbart, ständigen Kontakt zu pflegen mit dem Ziel, die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit konkreten Inhalten zu füllen. Dieser Auftrag aus der Partnerschaftsurkunde wird von der Landesgruppe Niedersachsen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland und ihrer tjumenischen Partnerorganisation in vorbildlicher Weise gelebt“, betonte Uwe Schünemann in seiner Festansprache.

Natalia Matschuga, Vorsitzende des Gebietszentrums für deutsche Kultur Tjumen, wies auf die „untrennbaren Verbindungen zwischen Russland und Deutschland“, die nicht zuletzt durch die massenhafte Auswanderung der deutschen aus der ehemaligen Sowjetunion entstanden sind, und bewertete „die fünf Jahre  Partnerschaft als einen gewichtigen Beitrag zum für beide Gesellschaften wichtigen Annäherungsprozess“.

Über 300 Gäste aus ganz Niedersachsen verfolgten das fünfstündige Festivalprogramm – ein rauschendes Fest der kulturellen Vielfalt, das mit viel Geschick vom Projektleiter der Landsmannschaft, Jakob Fischer, moderiert wurde. Gesang und Tanz dominierten das Kulturprogramm uns stellten einen bunten Mix aus Sprachen, Kulturen und Stilrichtungen dar. Die Künstler aus Niedersachsen zeigten sich international und präsentierten die Traditionen ihrer neuen, aber auch der alten Heimat, in vielfältiger Weise. Mit klassischen, folkloristischen und modernen  Gesangsbeiträgen, Musikdarbietungen und Tanzkreationen traten Künstler aller Altersgruppen aus Nienburg, Göttingen, Peine, Hannover, Rotenburg, Gifhorn und Osnabrück.

Die russische Seite war durch die Kulturgruppen aus den Zentren der deutschen Kultur Ischim und Tobolsk und der national-kulturellen Autonomie des Rayonszentrum Jurginskoje vertreten. Sie alle gehören zum „Gebietszentrum für Bildung, Methodik und deutsche Kultur Tjumen“ und bemühen sich um die Wiedergeburt der Kultur und Tradition der Russlanddeutschen. Zum Schluss erhielten die Förderer und Helfer der Landsmannschaft sowie sämtliche Teilnehmer des Festivals für ihren tollen Beitrag Urkunden der Landesgruppe, die von Lilli Bischoff überreicht wurden.

Die Gäste des Festivals konnten sich außerdem mit den Inhalten der landsmannschaftlichen Wanderausstellung „Volk auf dem Weg. Geschichte und Gegenwart der Deutschen aus Russland“, die von den Projektleitern Josef Schleicher und Jakob Fischer präsentiert wurde, vertraut machen. Den Interessenten standen auch Angebote der Landsmannschaft wie Bücher, Broschüren, Verbandszeitungen, Heimatbücher, CDs und DVDs mit Begleitliederheften zur Verfügung.

 

 

„Kultur zwischen Tradition und Moderne“ - Internationale Kulturfeste der Landsmannschaft 

 

Zum dritten Mal in Folge lud die Landesgruppe Niedersachsen Landsleute und Freunde des Verbandes zum Internationalen Kulturfestival ein, das am 18. Oktober 2014 unter dem Motto „Kultur zwischen Tradition und Moderne“ im Dorfgemeinschaftshaus Schladen durchgeführt wurde. Die beiden ersten internationalen Kulturfestivals fanden im Rahmen der Projekttage der Landesgruppe Niedersachsen mit den Partnerregionen Tjumen und Perm, an denen sich neben Kulturgruppen und Solisten aus Niedersachsen auch Gäste aus Russland beteiligten: 2012 russlanddeutsche Kulturgruppen und Solisten aus der Region Tjumen, 2013 das russlanddeutsche Tanztheater „Lallen“ aus Perm.  

Auch diesmal folgten über 200 Landsleute und zahlreiche Ehrengäste aus Politik und Öffentlichkeit folgten der Einladung der Landesgruppe. Am Festival beteiligen sich zahlreiche russlanddeutsche Kulturgruppen (Chöre, Musik- und Tanzgruppen) und Solisten aus ganz Niedersachsen, die in einem reichhaltigen Kulturprogramm die Vielfalt und die Besonderheiten der mitgebrachten Kultur aufzeigten. Mit dem Kulturfest bot die Landsmannschaft den teilnehmenden Gruppen und Solisten ein Forum, sich als Träger der russlanddeutschen Kulturarbeit einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und das Spektrum des Kulturgutes der Deutschen aus Russland vielfältig darzustellen.

Schon in ihren Herkunftsländern, sei es in Russland, Kasachstan, Kirgisien oder der Ukraine haben die Russlanddeutschen gelernt, eine kulturelle Vielfalt zu leben. Gleichzeitig war es ihnen Jahrzehnte lang nach dem 2. Weltkrieg nicht möglich, die Kultur der eigenen Volksgruppe zu pflegen und öffentlich zu leben.

Hierzulande haben viele Ortsgruppen der Landsmannschaft auch in Niedersachsen Chöre ins Leben gerufen, die in ihren Wohnorten und darüber hinaus bekannt und beliebt sind. Mit ihrem klassischen, aber auch oft internationalen, Repertoire mischen sie die Kulturlandschaft vor Ort auf.

Es gibt zahlreiche zugewanderte Tanzlehrer mit Erfahrung, die Gruppen, Tanzstudios oder Tanzschulen gegründet haben, sich in einheimischen Sportvereinen einbringen – und so die deutsche Kulturlandschaft  bereichern. Nicht wenige junge Aussiedler trainieren in einheimischen Tanzverbänden und vertreten ihren Verband oder das Land auf internationalem Parkett. So erleichtern sie auch manchen Aussiedlerjugendlichen den Start in das neue Leben und fördern das Verständnis zwischen Jugendlichen aus verschiedenen Kulturkreisen.

Hartmut Koschyk, MdB, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, betonte in seinem schriftlichen Grußwort: „…Getreu dem Motto Kultur zwischen Tradition und Moderne leisten Sie mit Ihrer Arbeit ganz wesentlich einen Beitrag zum Erhalt des kulturellen Erbes und weiten den Blick für eine Kultur der Offenheit und Toleranz… Als Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten bin ich von der Vielfalt der russlanddeutschen Kultur begeistert und merke immer wieder, welch grundsätzliche Bedeutung der Traditionspflege, verbunden mit zeitgemäßen Elementen, in allen Lebensbereichen zukommt.“ In einem mehrstündigen Kulturprogramm bestätigten das Künstler aus ganz Niedersachsen. Sie präsentierten die Traditionen ihrer neuen, aber auch der alten Heimat.

Die Tradition Internationales Kulturfestival bündelt vor allem das kulturelle Potenzial der Deutschen aus Russland in Niedersachsen. Zu den Akteuren der Kulturfeste gehören immer wieder der Chor „Heimatmelodie“ aus Hannover, der Chor der Landsmannschaft aus Wolfsburg, der Senioren-Singkreis "Freundschaft" aus Delmenhorst, der Chor "Liane" aus Diepholz, der Chor der Landsmannschaft aus Osnabrück, der Chor "Vergissmeinnicht" der Ortsgruppe Neustadt, die Chor "Klingende Runde" aus Hannover sowie zahlreiche Solisten und Gruppen aus Braunschweig, Rotenburg und Lüneburg. Mit Musikdarbietungen begeisterten die jungen Künstler der Musikschulen Swetlana Klein und Swetlana Krude aus Rotenburg, aus Göttingen, Lüneburg, Peine oder Osnabrück. Auch mehrere Tanzgruppen machen jedes Mal Stimmung mit temperamentvollen, klassischen und volkstümlichen Melodien und Tänzen aus aller Welt. Begeisterten Beifall des Publikums ernten die Tänzer aus Peine, Osnabrück, Wolfsburg, Gifhorn, Lüneburg oder Braunschweig.

 

 

„Sport spricht alle Sprachen“ Tradition Sport- und Kulturfeste in Friedland

 

Seit Jahren veranstaltet die Landesgruppe Niedersachsen internationale Sport- und Kulturfeste in Kooperation mit dem Grenzdurchgangslager Friedland, zu dem nicht nur Spätaussiedler, sondern auch die Bewohner der Aufnahmeeinrichtung und der Gemeinde eingeladen werden. Zwar haben die Deutschen aus Russland andere geschichtliche, religiöse und gesellschaftliche Hintergründe als viele andere Zuwanderergruppen, es eint sie jedoch der Wunsch, in der neuen Heimat Deutschland in Frieden und Freiheit leben zu können und sich geborgen zu fühlen. Aus diesem Wunsch heraus ist die Idee entstanden, ein Sportfest unter dem Motto „Sport spricht alle Sprachen“ als multinationales Forum zu veranstalten.

Auch das internationale Sportfest am 28. Juni 2014 in Friedland wurde wiederholt ein Erfolg. Ermöglicht wurde das Projekt durch die Unterstützung des Niedersächsischen Ministeriums für Inneres und Sport, der Verwaltung und Mitarbeiter des Grenzdurchgangslagers Friedland, der Mitglieder des Landesvorstandes und zahlreicher Ortsgruppen. Auch Sponsoren wie Zoo Hannover und „Nostalgie“ Feinkost (Garbsen) sowie die Mitarbeiterinnen des Jugendclubs „Kakadu“ und des Jugendzentrums „Bravo“ brachten sich ein. Die Schirmherrschaft übernahm der Niedersächsische Innenminister, Boris Pistorius.

Zahlreiche Gäste, Sportfreunde aus den Ortsgruppen Rotenburg, Wolfsburg, Braunschweig, Nienburg, Hannover, Peine, Celle und Barsinghausen, sowie Lagerbewohner aus Syrien und anderen Ländern und eine Kinderreisegruppe aus Kowel/Ukraine versammelten sich zum Sportfest. Im Laufe des Tages wurden Freundschaftsspiele in Minifußball, Volleyball, Tischtennis und Schach ausgetragen, es fanden Aktionen für Kinder und Jugendliche statt, ein kleines aber feines Kulturprogramm umrahmte das sportliche Geschehen, auch für die kleinen Gäste gab es jede Menge Spiel und Spaß. Die Siegerehrung fand im Rahmen eines Kulturnachmittags mit Kinder-und Frauentanzgruppen und Sängerinnen aus Braunschweig, Peine und Celle statt. Die aktivsten Teilnehmer wurden mit Pokalen, Medaillen und Urkunden für die erfolgreiche Teilnahme am Sportfest ausgezeichnet. 

 

 

Zentrale Gedenkfeier der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland in Friedland - „Tor der Freiheit“

 

Seit 2007 veranstaltet die Landsmannschaft ihre zentrale Gedenkfeier zur Erinnerung an die Opfer des Stalinismus unter Federführung der Landesgruppe Niedersachsen im Grenzdurchgangslager Friedland. Festredner der Veranstaltungen waren jeweils prominente Vertreter der Bundesregierung und der niedersächsischen Landesregierung. Zahlreiche russlanddeutsche Kulturgruppen und Solisten haben das Kulturprogramm der Gedenkfeier in diesen Jahren gestaltet.

Fast 70 Jahre dient das Auffanglager Friedland als Anlaufstelle für Flüchtlinge - zuerst für Vertriebene im Nachkriegsdeutschland, heute für Zuwanderer – Flüchtlinge, Aussiedler und Asylsuchende - mehr als 4 Millionen Menschen haben bisher das „Tor zur Freiheit“ durchschritten. Auch für die meisten der 2,7 Millionen Deutschen aus Russland, Kasachstan, Kirgisien oder der Ukraine war Friedland das Tor in die Freiheit und ein Inbegriff eines Neubeginns im Land ihrer Vorfahren. Damit ist Friedland nach wie vor ein würdiger und zugleich auch zeitgemäßer Veranstaltungsort.

Von Beginn an waren die Wohlfahrtsverbände wie Innere Mission, Caritas, Deutsches Rotes Kreuz und Arbeiterwohlfahrt dabei, die Familien, Kinder, Kriegsversehrte und alte Menschen versorgten. Auch die Bürger der Gemeinde Friedland waren von Anfang an in die Aufnahme von Flüchtlingen eingebunden. Dieses Engagement der Gemeinde Friedland wurde am 23.06.2014 mit dem Niedersächsischen Integrationspreis 2014 gewürdigt, verliehen von Doris Schröder-Köpf, niedersächsische Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe. Derzeit errichtet das Land Niedersachsen an diesem historischen Ort ein Museum, das die Geschichte des Grenzdurchgangslagers Friedland zeigen wird und darüber hinaus die Themen Flucht, Vertreibung, Migration und Integration darstellt. Die Schicksale der Menschen, die aus ganz anderen Kulturen hier angekommen und wie sie mit der Situation umgegangen sind – werden dokumentiert und dargestellt, darunter auch mehrere Russlanddeutscher.

Mit der zentralen Gedenkfeier am 6. September 2014 mit dem Schwerpunkt „250 Jahre deutscher Ansiedlung an der Wolga – ein langer Weg zurück“ unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen, Stephan Weil, vermittelte die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland aufschlussreiche Einblicke in die wechselvolle 250-jährige Geschichte der Russlanddeutschen – von der Auswanderung über zahlreiche Höhen und Tiefen bis zur Rückkehr in das Land der Vorväter. Einblicke, die aufzeigen, dass die Zugewanderten und die Einheimischen viel mehr Berührungspunkte und Gemeinsamkeiten haben als Unterschiede.

Auch diesmal konnte die Landesvorsitzende Lilli Bischoff zahlreiche Ehrengäste aus der Politik und von Verbänden bei der Gedenkfeier begrüßen. Sie bezeichnete das Grenzdurchgangslager als Symbol der demokratischen Grundwerte wie Freiheit und Gleichberechtigung, „auf die wir als diskriminierte Minderheit in der ehemaligen Sowjetunion so lange verzichten mussten". Als „eigentliche Heimat der Deutschen aus Russland" bezeichnete Friedland der Festredner Stephan Weil. Nach Jahrzehnten der Diskriminierung in der Sowjetunion hätten sie in Deutschland die Chance genutzt, sich mit ihren Fähigkeiten erfolgreich in das gesellschaftliche Leben des Landes einzubringen.

Der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft, Waldemar Eisenbraun, bedankte sich in seiner Rede für die Solidarität der Niedersächsischen Landesregierung, die sich in den letzten Monaten in besonderer Weise gezeigt habe, als es darum ging, günstigere Bedingungen für den Nachzug von Familienangehörigen im Spätaussiedleraufnahmeverfahren zu schaffen.

Eingerahmt wurde die Gedenkfeier durch die Totenehrung sowie Andachten und Kranzniederlegungen vor der Friedlandglocke und dem Mahnmal. Die besinnlichen Worte sprach jeweils Monsignore Dr. Alexander Hoffmann von der Seelsorgestelle für katholische Deutsche aus Russland und den anderen GUS-Staaten. Künstler aus Hannover und Osnabrück gestalteten die Feier musikalisch.

 

 

Tag der Einheit 2014 in Hannover - Landsmannschaft mit dabei  


Viel Wert legt der Landesgruppenvorstand auch auf die Beteiligung am traditionellen Tag der Niedersachsen. Die Landsmannschaft ist jedes Mal mit einem aufschlussreichen Infostand vertreten, der gut besucht wird. Anhand von Broschüren, Plakaten und der Verbandszeitung „Volk auf dem Weg“ können sich Interessenten über die Geschichte und Aktivitäten der Landsmannschaft sowie ihre Angebote informieren. Auch kulturelle hat die Landesgruppe viel zu bieten – die Kulturgruppen aus Braunschweig, Lüneburg oder Hannover haben bereits mehrfach das Kulturprogramm der Landsmannschaft mitgestaltet. Auch kulinarisch ist der Landesverband ein Anziehungspunkt für die Besucher – herkömmliche Spezialitäten werden von den Aktiven der Ortsgruppen vorbereitet.                                                                                                                                                                    Auch  beim bundesweiten Tag der Einheit in Hannover am 3. Oktober 2014 unter dem Motto „Vereint in Vielfalt“ war die niedersächsische Landsmannschaft mit dabei. Zu besonderen Schwerpunkten des Tages gehörte das Thema Erinnerungs- und Willkommenskultur in Deutschland, das in einem direkten Bezug zu den Arbeitsschwerpunkten der Landsmannschaft steht. Die Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, Doris Schröder-Köpf, lobte die engagierte Beteiligung der Landsmannschaft unter anderem mit den Worten: „Herzlichen Dank für Ihre Mitwirkung und Unterstützung im Rahmen des Bürgerfests zum Tag der Deutschen Einheit. Zur gelungenen Veranstaltung hat insbesondere auch Ihr engagierter Einsatz und der offene Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern beigetragen haben.“ 

 

 

Tradition Landestreffen - „Hier sind wir zu Hause“: Zu einer langjährigen Tradition der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland in Niedersachsen gehören die Landestreffen, die das Zusammengehörigkeitsgefühl der Deutschen aus der ehemaligen Sowjetunion stärken, ihre Dankbarkeit zum Ausdruck bringen, in Deutschland eine Heimat gefunden zu haben, und jedes Mal das mitgebrachte Potenzial an Talenten präsentieren. In den Jahren 1990-2002 organisierte Wendelin Jundt (Landesvorsitzender, heute Ehrenvorsitzender) sieben Landestreffen mit 7.000 bis 10.000 Teilnehmern. Unter dem Motto „Wir sind zu Hause” fand am 19. August 2006 im Congress-Centrum Hannover das 8. Landestreffen Niedersachsen der Landsmannschaft unter der Leitung der Vorsitzenden Lilli Bischoff statt. Vor dem Hintergrund erschwerter Integrationsbedingungen und nachlassender Akzeptanz unserer Landsleute in der Bevölkerung vermittelte es der Öffentlichkeit ein realitätsgerechtes Bild der Deutschen aus Russland und zeigte auf, dass ihre Integration in Deutschland in ihrer Gesamtheit als Erfolg betrachtet werden kann. 

 

 

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