Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Landesgruppe Niedersachsen e.V.
Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Landesgruppe Niedersachsen e.V. 

Die Landesgruppe Niedersachsen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. – Geschichte und Gegenwart

Die Gruppe der russlanddeutschen Aussiedler und Spätaussiedler aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion bildet mit über 400.000 Menschen die größte Zuwanderungsgruppe in Niedersachsen. Die Landesgruppe Niedersachsen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. mit der Landesvorsitzenden Lilli Bischoff ist die größte Vertretung der Deutschen aus Russland und ihrer Familien im Bundesland. Der Landesverband Niedersachsen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland ist bundesweit der viertgrößte Landesverband nach Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Zu den Höhepunkten der Jahre 2010 und 2011 gehörten außerdem die Feier zum 60. Jahrestag der Gründung der Landsmannschaft in Hannover.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde das Erscheinungsbild der Landsmannschaft in Niedersachsen von den Landesvorsitzenden Wendelin Jundt, Innozenz Grad und seit 2006 von Lilli Bischoff geprägt. Der Verband setzt sich aus Orts- und Kreisgruppen zusammen, die über das gesamte Bundesland verteilt sind.

Die Landsmannschaft engagiert sich im Kulturbereich, informiert in Schulen zur Geschichte und Gegenwart der Deutschen aus Russland, leistet Kinder- und Jugendarbeit, organisiert Nachhilfeunterricht, Betreuungsangebote, Hausaufgabenhilfe, Sportveranstaltungen, Seniorentage, bietet Vorträge zu verschiedenen Lebenslagen, berät und betreut die Spätaussiedler und ihre Familienangehörigen in allen Fragen der Aufnahme und Eingliederung in die deutsche Gesellschaft, pflegt vielfältige Kontakte zu den Landsleuten in den Herkunftsgebieten und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung.

 

 

Ein kurzer Blick auf die ersten Jahre

1951: Ein Jahr nach Gründung der Landsmannschaft im April 1950 verzeichnet ihr Vereinsorgan "Volk auf dem Weg" bereits acht Landesgruppen. Im Süden waren das Baden-Württemberg, Unterfranken und Oberbayern, in Deutschlands Mitte Hessen und im Norden Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Niedersachsen (mit einer Geschäftsstelle in Hannover).

1952: Beim lutherischen Weltkongress in Hannover im Juli d.J. werden wichtige Referate über das kirchliche Leben der Deutschen aus Russland gehalten und das Buch „Stimme der Stummen“ ihres Sprechers, Superintendent Johannes Schleuning, vorgestellt. Johannes Schleuning war Wolgadeutscher und lebte nach der Ausreise in Braunschweig.

1953: Das 2. Bundestreffen der Landsmannschaft findet vom 21. bis 23. August in Hannover statt. Die wichtigsten Appelle der Delegierten betreffen die Einbindung der Deutschen aus Russland in die Vertriebenengesetzgebung. Genannt werden vor allem Fragen der Staatsangehörigkeit, des Lastenausgleichs und der beruflichen Gleichstellung russlanddeutscher Akademiker mit denen anderer Flüchtlinge und Vertriebenen.

 

 

Zielsetzungen der Gegenwart

Oberstes Ziel des Vorstandes der Landesgruppe Niedersachsen ist die Intensivierung der Zusammenarbeit mit der Niedersächsischen Landesregierung und allen demokratischen Parteien. Weitere Schwerpunkte sind: Einsatz für die Lösung von Härtefällen bei der Familienzusammenführung im Spätaussiedleraufnahmeverfahren; Setzen positiver Zeichen durch Veranstaltungen wie Landestreffen oder Gedenkfeiern in Friedland; Vermittlung der Geschichte und Gegenwart der Volksgruppe - Zukunft braucht Vergangenheit; Präsentation der mitgebrachten Kulturvielfalt und Potenziale durch Kultur-  und Sportveranstaltungen; Stärkung der Kompetenzen - Schulung ehrenamtlich tätiger Landsleute; Betreuung und Unterstützung der Arbeit in den Ortsgruppen; Förderung der Partnerschaftsbeziehungen mit den russlanddeutschen Organisationen in den Partnerregionen Tjumen und Perm, Brückenfunktion der Deutschen aus Russland und der Landsmannschaft in den Landespartnerschaften mit den russischen Partnerregionen Tjumen und Perm.

 

 

Erreichtes

Die gute Zusammenarbeit der Landsmannschaft mit der niedersächsischen Regierung wurde in den letzten Jahren durch regelmäßige Treffen und Gespräche mit Vertretern der führenden demokratischen Parteien sowie auf der Ebene der Landesbeauftragten für Migration und Teilhabe vertieft und intensiviert. Aktive der Landesgruppe engagieren sich im Arbeitskreis für Aussiedler und Vertriebenenfragen, und auch in der Integrationskommission des Niedersächsischen Landtages sind Mitglieder der Landsmannschaft vertreten.                                               
Durch die Intensivierung der politischen und verbandspolitischen Arbeit wurde erreicht, dass bei den niedersächsischen Kommunalwahlen der letzten Jahre einige Deutsche aus Russland Erfolg hatten.                                                                                                                                                  

Mit Seminaren zur politischen Bildung der ehrenamtlichen Multiplikatoren der Landsmannschaft und anderer russlanddeutscher Vereine in Niedersachsen sowie russlanddeutscher Aussiedler und Spätaussiedler leistet die Landesgruppe Niedersachsen Aufklärungsarbeit über die politische Landschaft in Europa sowie die führenden demokratischen Parteien in Deutschland. Als roter Faden der Seminare gilt der Gedanke: Politische Bildung ist einer der Grundpfeiler eines demokratischen Regierungssystems, sie zielt auf die Mündigkeit der Bürgerinnen und Bürger, auf ihre eigenständige politische Urteils- und Handlungskompetenz.    

 

                                                      


Dank der hartnäckigen Bemühungen der Landesgruppe Niedersachsen konnten in den vergangenen Jahren mehrere bei der Ausreise getrennte Spätaussiedlerfamilien ihre Zusammenführung feiern.                                                     
Zur Förderung des ehrenamtlichen Engagements führt der Landesvorstand regelmäßig Seminare sowie Kulturreferenten- und Sozialreferententagungen zur Schulung ehrenamtlich tätiger Landsleuten durch. S
eit Jahren ist die niedersächsische Kleinstadt Nienburg an der Weser traditioneller Ort der Sozialreferententagungen Nord der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland.                                                                                             
Durch die Projektarbeit der letzten Jahre („Zukunft gehört dem Ehrenamt“ 2006-2009, „Stark und offen in Niedersachsen" 2009-2012) wurde das ehrenamtliche Engagement von Zuwanderern durch die Einbindung ihrer Aktivitäten in die kooperative Migrationsarbeit in Niedersachsen gestärkt. Durch spezifische Angebote und gemeinschaftsbildende Maßnahmen  in den Bereichen Kultur, Sport, Sprachförderung und beruflicher Orientierung hat die Projektarbeit die Potentiale der Zuwanderer, ihre sozialen Kompetenzen, ihr Engagement und ihre aktive Position bei der Eingliederung in die Aufnahmegesellschaft gestärkt. Durch die Projektangebote konnten die ungenutzten Potentiale der Zuwanderer aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion sichtbar gemacht und aktiviert werden.                                                                                                                                                         
Die landesweiten kulturellen Aktivitäten der Deutschen aus Russland werden gebündelt und im Rahmen landsmannschaftlicher  Kulturveranstaltungen vor Ort und der traditionellen internationalen Kulturfestivals der Landsmannschaft der breiten Öffentlichkeit präsentiert.                                                                                              
Das Wissen über die Geschichte und Gegenwart der Russlanddeutschen wird unter anderem durch die landsmannschaftliche Wanderausstellung „Deutsche aus Russland. Geschichte und Gegenwart“, die regelmäßig in Niedersachsen Station macht, und die Wanderausstellung der Landesgruppe (vier Tafeln) unter dem Motto „250 Jahre Einladungsmanifest von Katharina II. – 250 Jahre russlanddeutscher Kulturgeschichte“ (Konzeption des Historischen Forschungsvereins der Deutschen aus Russland e.V.) in Bild und Wort vermittelt.                        
Die vorbildlichen Leistungen der Deutschen aus Russland in verschiedenen Lebensbereichen werden bei Veranstaltungen und durch Publikationen in die Öffentlichkeit transportiert. Verdiente Landsleute wurden 2008 in der Broschüre „Deutsche aus Russland in Niedersachsen: Engagement im öffentlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben" der Öffentlichkeit vorgestellt.                                                                                                            

 

 

Im Rahmen der „Grenzüberschreitenden Partnerschaftsarbeit der russlanddeutschen Dachverbände" pflegt die Landesgruppe Niedersachsen Partnerschaftsbeziehungen mit dem „Gebietszentrum für Bildung, Methodik und deutsche Kultur Tjumen" (seit 2007) und der „Gemeinnützigen Gesellschaft der Russlanddeutschen ‚Wiedergeburt'" der Stadt Perm (seit 2013). Die Partnerschaft zwischen der Landsmannschaft in Niedersachsen und den russlanddeutschen Organisationen in Tjumen und Perm bereichern die über 20 Jahre alten Landespartnerschaften des Landes Niedersachsen mit den Partnerregionen Tjumen und Perm um eine weitere Facette und markieren die Brückenfunktion der Deutschen aus Russland. Ein Ausdruck der bestehenden Verbundenheit zwischen dem Land Niedersachsen und den Regionen Tjumen und Perm waren die Projekttage der Landesgruppe 2012 (mit der Region Tjumen) und 2013 (mit der Region Perm), gefördert  von der Landesregierung Niedersachsen. Sie manifestierten sich im 20jährigen Bestehen der beiden Partnerschaften  und wurden im Rahmen der Projekttage der Landesgruppe feierlich gewürdigt.   

 

 

Jugendorganisation der Landsmannschaft in Niedersachsen 

 

Fast ein Drittel der eingereisten Spätaussiedler sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Offenheit und Kooperation mit kommunalen und überregionalen Einrichtungen, Eigeninitiative und Handlungsbereitschaft sind nach wie vor entscheidend für eine erfolgreiche Jugendintegration. Die Eingliederung von jungen Spätaussiedlern gehört zu den Schwerpunkten der Bemühungen der Landsmannschaft. In einigen Ortsverbänden der Landsmannschaft findet zukunftsorientierte Jugendarbeit mit Sport, Freizeit- und kulturelle Aktivitäten in engster Kooperation mit Einrichtungen vor Ort statt.

Die jungen Menschen haben viele Stärken und unter anderem Erfahrungen in der Jugendarbeit mitgebracht. Diese Erfahrungen werden bei dem Aufbau der Jugendarbeit, die Hand in Hand mit der landsmannschaftlichen Tätigkeit des Landesverbandes geht, genutzt. Im April 2014 wurde der neue Landesvorstand der Jugendgruppe Niedersachsen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. gewählt. Landesvorsitzender der Jugendorganisation ist Arsenij Dercho, stellv. Vorsitzender ist Paul Derabin. Weitere Mitglieder des Vorstandes: Pamela Maurer, Irina Duckart und Sahra Jakob.

In den Vordergrund ihrer Aktivitäten stellt die Jugendorganisation folgende Schwerpunkte: Sensibilisierung von jugendlichen Spätaussiedlern für Themen wie politische Integration und ehrenamtliches Engagement; Präsenz auf politischer Ebene; Förderung der aktiven Partizipation der jungen Russlanddeutschen am sozialen und kulturellen Leben der Kommunen sowie Schaffung eines interkulturellen Miteinanders in ihrer Umgebung; Aufbau einer aktiven Netzwerkarbeit; Gewinnung von Jugendlichen, die als Ehrenamtliche bei der Landsmannschaft und deren Jugendorganisation mitarbeiten und die Angebote mitgestalten; Kooperation mit vorhandenen Strukturen und Netzwerken vor Ort sowie Wege und Möglichkeiten der Heranführung der russlanddeutschen Jugendlichen an die  vorhandenen Angebote. Die Jugendorganisation will um die Jugendbeteiligung an der Kommunalpolitik werben sowie Anreize im kulturellen und sportlichen Bereich, bei der schulischen und beruflichen Förderung junger Russlanddeutscher schaffen. Die mitgebrachten Stärken der Jugendlichen aus zugewanderten Familien (z. B. mitgebrachte Kultur, Bildung, Beruf, Sport) im interkulturellen, musischen oder sportlichen Bereich sollen dabei im Mittelpunkt stehen.

 

 

Wertschätzung für erfolgreiche Integrationsleistung - Patenschaften über die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland in Niedersachsen

 

2012 - Innenminister Schünemann übernimmt Schirmherrschaft über die Landesgruppe: Im Rahmen einer Feierstunde am 9. März 2012 im Gästehaus der Niedersächsischen Landesregierung in Hannover übernahm Uwe Schünemann, Minister des Landes Niedersachsen für Inneres und Sport, die Schirmherrschaft über die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V., Landesgruppe Niedersachsen. „Die Übernahme der Schirmherrschaft ist Ausdruck der Wertschätzung für alle in Niedersachsen lebenden Aussiedler und Spätaussiedler und deren erfolgreiche Integrationsleistung“, sagte Schünemann. Er überreichte der Vorsitzenden der Landesgruppe Niedersachsen, Lilli Bischoff, vor zahlreichen Gästen die Schirmherrschaftsurkunde. „Niedersachsen fühlt sich der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland besonders verbunden, da sie mit großer Tatkraft dazu beigetragen hat, das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den deutschen Aussiedlern und der heimischen Bevölkerung zu vertiefen", sagte der Innenminister weiterhin.                                                                                     
Schünemann kündigte an, dass er die Schirmherrschaft mit zahlreichen Aktivitäten ausfüllen werde. Beispielhaft benannte er die Förderung des Kulturaustausches der Landsmannschaft mit der Partnerorganisation in Tjumen anlässlich des 20jährigen Bestehens der Partnerschaft des Landes Niedersachsen mit der Region Tjumen in Russland Ende Mai diesen Jahres. Außerdem werde „Die Geschichte der Eingliederung der Aussiedler und Spätaussiedler" im Mittelpunkt einer Tagung in Friedland in der zweiten Jahreshälfte stehen. „Mit der Übernahme der Schirmherrschaft möchte ich alle Aussiedler und Spätaussiedler in Niedersachsen würdigen und mit dazu beitragen, dass sie sich in Niedersachsen willkommen und zu Hause fühlen", so Schünemann.

 

 

 

2014 - Innenminister Boris Pistorius übernimmt Schirmherrschaft über die Landesgruppe: Vor zahlreichen Gästen aus Politik und Öffentlichkeit, darunter viele Vertreter der landsmannschaftlichen Ortsgruppen, überreichte der Niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, am 23. Juni 2014 im Gästehaus der Landesregierung die Schirmherrschaftsurkunde an die Vorsitzenden der Landesgruppe Niedersachsen, Lilli Bischoff. Damit übernahm er die Schirmherrschaft über die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V., Landesgruppe Niedersachsen, als „Wertschätzung für alle in Niedersachsen lebenden Aussiedler und Spätaussiedler“ und deren beachtliche Integrationsleistung.                                                                                                                                                      

„Niedersachsen fühlt sich der Volksgruppe der Deutschen aus Russland besonders verbunden, da viele Aussiedler und Spätaussiedler über das Grenzdurchgangslager Friedland nach Deutschland eingereist sind", sagte der Minister. Pistorius kündigte an, die Schirmherrschaft mit zahlreichen Aktivitäten ausfüllen zu wollen. Mit der Schirmherrschaft sollen landesweit die Pflege und Weiterentwicklung des Kulturerbes der Russlanddeutschen gefördert werden. „Die Schirmherrschaft ist ein Zeichen, dass Sie in Niedersachsen jederzeit willkommen sind und sich hier Zuhause fühlen können", sagte der Innenminister vor den Gästen der Feierstunde.

Mit Veranstaltungen wie dieser möchte man dazu beitragen, dass Erfolge bei der Integration von Aussiedlern gewürdigt werden. „Es kann überhaupt keinen Zweifel daran bestehen, dass gerade die Gruppe der Deutschen aus Russland in vielen Bereichen in den letzten Jahren gute Integrationsfortschritte gemacht  hat und längst erhebliche Beiträge zu Wohlstand, Arbeit und kultureller Vielfalt in unserem Land beisteuert. Sie engagieren sich für ein gedeihliches Miteinander, für Freiheit, für Demokratie und für die Völkerverständigung in Europa“, betonte er mit Blick auf die Studien des Berliner Instituts „Ungenutzte Potentiale. Zur Lage der Integration in Deutschland“ (2009) und „Neue Potentiale. Zur Lage der Integration in Deutschland“ (2014) sowie die aktuelle Analyse des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (2013).

In seiner Festanspreche würdigte Pistorius das vielfältige, Jahrzehnte lange Engagement der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland in Niedersachsen, die die Interessen der Deutschen vertrete, die innerhalb der ehemaligen Sowjetunion vertrieben wurden und nach dem zweiten Weltkrieg im Verlauf von Jahrzehnten nach Deutschland übersiedelten. „Viele der Landsleute sind in der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland engagiert. Und noch mehr Menschen fühlen ihre Belange von der Landsmannschaft gut vertreten“, so der Innenminister.

So engagiert sich die Landsmannschaft beispielsweise im Kulturbereich, informiert in Schulen zur Geschichte und Gegenwart der Deutschen aus Russland, leistet Kinder- und Jugendarbeit, organisiert Nachhilfeunterricht, Betreuungsangebote, Sportveranstaltungen, Seniorentage und bietet Vorträge zu verschiedenen Lebenslagen und Themen an. „Ihre vielfältigen Angebote und Aktivitäten zielen darauf ab, Menschen, die aus Gebieten der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland kommen, bei Ihrer ersten Orientierung in unserer Gesellschaftsordnung zu unterstützen und ihnen dadurch zeitnah nach Einreise die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Das stärkt den Zusammenhalt, die Stabilität und die Vitalität unseres Gemeinwesens ganz entscheidend“, sagte Pistorius. Insbesondere hob er das traditionelle internationale Sport- und Kulturfest im Grenzdurchgangslager Friedland hervor, zu dem nicht nur die Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler, sondern auch Bewohner der Aufnahmeeinrichtung und die Bürgerinnen und Bürger Friedlands zu Ihrem Fest einzuladen. 

 

 

 

Die Landsmannschaft pflegt darüber hinaus vielfältige Kontakte zu den Landsleuten in den Herkunftsgebieten und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung. Pistorius betonte die „Impulsgebende Rolle der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland“ (Zitat Sigmar Gabriel) bei den Landespartnerschaften der Landes Niedersachsen. „Hier  haben  insbesondere die Deutschen aus Russland eine wichtige vermittelnde Rolle: Sie können sowohl in Deutschland als auch in ihren Herkunftsländern für Dialog und kulturellen Austausch werben und so das wechselseitige Verständnis fördern“. So ein Zeichen der Völkerverständigung setzte die Landsmannschaft mit ihren Projekttagen im Rahmen des 20-jähriges Bestehens der Partnerschaften des Landes  Niedersachsen mit der Region Tjumen (2012) und der Region Perm (2013).  

Weiterhin betonte der Innenminister die Notwendigkeit der Aufklärungsarbeit über Aussiedler, die auch die Landsmannschaft über durch ihre Wanderausstellung und zahlreiche Broschüren tut. Das alles trägt zur Verbesserung der Akzeptanz der Spätaussiedler in der deutschen Gesellschaft  bei und hilft Vorurteile zu entkräften auf beiden Seiten zu entkräften.

Lilli Bischoff bedankte sich im Namen der Landesgruppe und der Landsleute in Niedersachsen dem Land und der Landesregierung für die Übernahme der Schirmherrschaft über die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland in Niedersachsen. „Wir betrachten die Initiative nicht nur als große Ehre, sondern auch als Ausdruck der Verbundenheit Niedersachsens mit der Volksgruppe der Russlanddeutschen. Wir betrachten die Schirmherrschaft auch als ein Bekenntnis der Wertschätzung insbesondere der Integrationsbemühungen der Landesgruppe und des vielfältigen Beitrags der Deutschen aus Russland zum Wohlergehen des Landes in allen möglichen Lebensbereichen“, so Bischoff. Sie betonte die gute Zusammenarbeit der Landsmannschaft mit der niedersächsischen Regierung, die sich in den letzten Jahren vertieft und intensiviert hatte. „Wir danken dem Land für das Vertrauen und die Verantwortung, die der Landsmannschaft in den letzten Jahren mehrmals entgegengebracht wurden.“

 

 

 


Was ist die Landsmannschaft?

 

Die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. (koordinierende Geschäftsstelle in Stuttgart) ist die größte Organisation der Russlanddeutschen in Deutschland und offen für alle Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion. Der Verein bekennt sich zur „Charta der Deutschen Heimatvertriebenen“ vom 05.08.1950 und versteht sich als Interessenvertretung, Hilfsorganisation und Kulturverein der Russlanddeutschen nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Die Landsmannschaft verfolgt ausschließlich gemeinnützige Zwecke, ist überparteilich und überkonfessionell. Familienzusammenführung sowie soziale, gesellschaftliche, berufliche und religiöse Eingliederung in die deutsche Gesellschaft, Kultur-, Öffentlichkeits- und Jugendarbeit gehören zu den wichtigsten Aufgaben der Landsmannschaft, die bundesweit in Orts- und Landesgruppen organisiert ist. Der Verein verfolgt ausschließlich gemeinnützige und mildtätige Zwecke, seine Mitarbeiter in den Bundes-, Landes und Ortsvorständen und Gliederungen arbeiten grundsätzlich ehrenamtlich. Die Geldmittel der Landsmannschaft stammen fast ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden der Mitglieder. Die Landsmannschaft ist ein Verein, der Tradition bewahrt und der Zukunft vertraut.

 

Wann wurde die Landsmannschaft gegründet?

 

Die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e. V. wurde 1950 als „Arbeitsgemeinschaft der Ostumsiedler“ von russlanddeutschen Vertretern der Kirche mit Pfarrer Heinrich Römmich gegründet. Im selben Jahr unterzeichnete der Verein die „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“. Dieser wird seither von der Landsmannschaft als ihr „Grundgesetz“ angesehen. Im Jahr 1955 wurde der Name in „Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V.“ umbenannt.

 

Ziele und Aufgaben des Vereins

 

Familienzusammenführung sowie soziale, gesellschaftliche, berufliche und religiöse Eingliederung in die deutsche Gesellschaft, Kultur-, Öffentlichkeits- und Jugendarbeit gehören zu den wichtigsten Aufgaben der Landsmannschaft. Die Integration ist ein zentraler Begriff in der landsmannschaftlichen Arbeit. Dabei gilt den jugendlichen Aussiedlern unsere besondere Aufmerksamkeit. Zur Zeit laufen unter dem Dach der Landsmannschaft mehrere Integrationsprojekte mit Schwerpunkt Integration jugendlicher Spätaussiedler, die vom Bundesinnenministerium oder von Landesregierungen gefördert und von kompetenten Aussiedlern geleitet werden.

Die Landsmannschaft sucht immer den Dialog mit allen demokratischen Parteien. Gerade durch ihre jahrzehntelangen Kontakte und die konstruktive Zusammenarbeit mit Politikern der verschiedenen Parteien, mit Abgeordneten auf allen Ebenen, mit Journalisten, Vertretern nationaler und internationaler Organisationen, aber auch durch Beschreiten des Rechtsweges hat die Landsmannschaft wesentlich dazu beigetragen, dass das Tor nach Deutschland für unsere Landsleute offen geblieben ist.

 

Bemühungen um die Gleichstellung der Russlanddeutschen

 

Viele Deutsche aus Russland gehen davon aus, dass die Vertriebenengesetze ausschließlich für sie gemacht worden sind. Das ist ein Irrtum. Es waren vielmehr jahrelange und intensive Bemühungen der Landsmannschaft nötig, um die russlanddeutschen Aussiedler den anderen Vertriebenen gleichzustellen. Erst durch diese Gleichstellung waren auch die Deutschen aus Russland zu Anspruchsberechtigten nach dem Bundesvertriebenengesetz geworden, erst dadurch erhielten sie entsprechende Entschädigungsleistungen und eine Rente. Unter anderem hat die Landsmannschaft sowohl auf dem Verhandlungsweg als auch in gerichtlichen Verfahren durchgesetzt, dass die Kolchos-, Trudarmee-, Haft- und Gewahrsamszeiten bei der Rentenberechnung berücksichtigt werden. Die Landsmannschaft hat bei den Beratungen und Besprechungen über den Entwurf zum Kriegsfolgenbereinigungsgesetz, das am 01.01.1993 in Kraft trat, allergrößten Wert darauf gelegt und gefordert, dass auch die Abkömmlinge eines Spätaussiedlers und deren Familien aufgenommen werden müssen und einreisen dürfen und ihnen der Deutschenstatus nach Art. 116 Grundgesetz zugesichert wird. Mit der Zunahme des Aussiedlerstromes wurden in die vorhandenen Gesetze zwar Änderungen eingebracht, die jedoch häufig nicht zugunsten der Spätaussiedler ausfielen. Aber ohne den Einsatz der Landsmannschaft wäre vieles noch weitaus schlimmer gekommen.

 

Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit

 

Um die Aufklärungsarbeit zu fördern, ist die landsmannschaftliche Wanderausstellung „Volk auf dem Weg. Geschichte und Gegenwart der Deutschen aus Russland“ in mehreren identischen Fassungen bundesweit unterwegs. Die Broschüre „Zwischen den Kulturen“, die mit Unterstützung des Bundesinnenministeriums in großer Auflage herausgegeben wurde, kann unter anderem auch als Lehrmittel in der Schule verwendet werden. Davon hat die Landsmannschaft alle Bildungsministerien unterrichtet. Die Vereinszeitung „Volk auf dem Weg“ ist die Stimme der Landsmannschaft und ihrer Mitglieder. Das Jahrbuch „Heimatbuch“ und andere Publikationen behandeln die Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen in verschiedenen Zeitperioden.

 

Kontakte zu Russlanddeutschen in der GUS

 

Die Landsmannschaft versteht sich seit ihrer Gründung als Interessenvertretung, Hilfsorganisation und Kulturträger der Russlanddeutschen in Deutschland wie auch in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion – sie bildet eine Brücke zur Heimat der Russlanddeutschen in ihren Herkunftsorten. In der Russischen Föderation identifizieren sich laut letzter Volkszählung mehr als 570.000 Personen als Deutsche, an die 300.000 sind es in Kasachstan. Im Rahmender „Grenzüberschreitenden Partnerschaftsarbeit der russlanddeutschen Dachverbände“, das von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. und den russlanddeutschen Dachverbänden in Russland initiiert wurde, haben mehrere Gliederungen der Landsmannschaft bundesweit Partnerschaftsbeziehungen mit verschiedenen russlanddeutschen Organisationen in Russland, Kasachstan und der Ukraine aufgebaut. Ansprechpartner der Landsmannschaft in den Nachfolgestaaten der UdSSR sind deutsche Begegnungszentren, Wiedergeburt-Organisationen, Deutsch-Russische Häuser, Jugendverbände und christliche Gemeinden.

 

Kontakte zu Russlanddeutschen in der Welt

 

Die Landsmannschaft unterhält außerdem Kontakte zu Russlanddeutschen in aller Welt. Ein Beispiel ist die Reise des Chores „Heimatklänge” der Orts- und Kreisgruppe Stuttgart zum 125-jährigen Jubiläum der Auswanderung von Wolgadeutschen nach Argentinien. Im Dezember 2005 bereiste Jakob Fischer mit seiner Musikgruppe viele Orte Argentiniens, wo Nachkommen wolgadeutscher Auswanderer zu Hause sind. Im September 2006 wurde der russlanddeutsche Künstler Andreas Prediger zum 4. Treffen der Deutschen Gemeinschaften Lateinamerikas in der argentinischen Provinzhauptstadt Parana eingeladen, wo er seine Bilder und Plakate über das Schicksal der Russlanddeutschen in der ehemaligen UdSSR zeigen und erläutern durfte.

Über Prof. Michael M. Miller (Universität von Norddakota; Leiter der “Germans from Russia Heritage Collection” - “Sammlung des russlanddeutschen Erbes”) pflegt die Landsmannschaft Kontakte zur russlanddeutschen Diaspora in den USA. Prof. Miller ist schwarzmeerdeutscher Abstammung und hat sich insbesondere um die Erforschung der Geschichte der Volksgruppe in den USA verdient gemacht. Traditionell kommt zum Bundestreffen der Deutschen aus Russland auch eine Delegation aus den USA, um Kontakte zu pflegen und neue zu knüpfen.
 

 

Mehr zu den Aktivitäten der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. unter:

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